Einleitung
Fellpflege wird oft auf „schön aussehen“ reduziert – dabei ist sie ein zentraler Bestandteil der Gesundheit von Hund und Katze. Ein gut gepflegtes Fell schützt die Haut, reguliert Temperatur, verhindert Schmerzen und beugt sogar Infektionen vor. Trotzdem kursieren viele Missverständnisse: Manche Tiere werden fast gar nicht gebürstet, andere dafür viel zu häufig gebadet. Viele Halter*innen glauben zudem, ein paar kleine Knötchen seien harmlos – bis sich herausstellt, dass die Haut darunter längst gereizt oder sogar entzündet ist.
In diesem Blogpost schauen wir uns die 10 häufigsten Fellpflege-Fehler an, erklären verständlich, warum sie problematisch sind – und zeigen dir konkrete, einfach umsetzbare Lösungen, die du sofort in den Alltag integrieren kannst.
Fehler Nr. 1: Zu selten oder gar nicht bürsten
Regelmäßiges Bürsten ist die einfachste und gleichzeitig wichtigste Maßnahme der Fellpflege – trotzdem wird sie oft unterschätzt.
Wenn das Fell nicht regelmäßig gebürstet wird, können sich Verfilzungen, Hautreizungen und sogar Parasitenbefall entwickeln. Bei vielen Langhaarhunden und -katzen entstehen Knoten schneller, als man denkt, und sie sitzen meist direkt auf der Haut. Das verursacht Schmerzen, schränkt die Beweglichkeit ein und verhindert, dass die Haut richtig atmen kann.
Unterschiede je nach Felltyp
Nicht jedes Tier braucht denselben Pflegeaufwand.
Ein kurzer Überblick:
- Kurzhaar (z. B. Beagle, Französische Bulldogge):
1–2× pro Woche reicht oft, vor allem während des Fellwechsels. - Langhaar (z. B. Collie, Perserkatze):
Mehrmals pro Woche, während des Fellwechsels oft täglich. - Hunde mit Unterwolle (z. B. Schäferhund, Husky):
Gründliches Ausbürsten ist wichtiger als häufiges Baden. - Hunde ohne Fellwechsel (z. B. Pudel):
Regelmäßiges Bürsten + professionelles Schneiden notwendig.
Wer unsicher ist, wie viel Pflege sein Tier braucht, profitiert häufig von einer professionellen Einschätzung. Mehr dazu findest du in unserem Bereich zur Fellpflege.
Die Lösung: Routine & positive Gewöhnung
Die meisten Tiere akzeptieren Fellpflege problemlos – wenn man früh beginnt und es regelmäßig wiederholt.
So gelingt’s:
- Täglich oder mehrmals wöchentlich kurze Einheiten statt seltene „Großaktionen“.
- Bürsten immer in Wuchsrichtung, sanft und ohne Ziehen.
- Leckerlis oder ruhige Spielpausen danach helfen, positive Verknüpfungen aufzubauen.
- Bei starkem Fellwechsel lieber häufiger, dafür kürzer bürsten.
Schon wenige Minuten pro Tag verhindern, dass sich überhaupt erst Filz bildet – und machen Fellpflege zur entspannten Routine statt zum stressigen Kampf.
Fehler Nr. 2: Falsche Bürste oder falscher Kamm
Ein häufiger, aber oft übersehener Fehler: das falsche Werkzeug. Viele greifen automatisch zu dem, was „kräftig durchgeht“ – doch genau das kann massive Probleme verursachen. Ein Flohkamm bei Hunden mit Unterwolle, zu harte Borsten oder Metallkämme ohne Schutzkugeln führen schnell zu Haarbruch, Mikroverletzungen und Schmerzen. Das Tier beginnt, die Pflege zu meiden, weil es gelernt hat: „Bürsten tut weh.“
Warum falsches Werkzeug so problematisch ist
- Schmerzen durch verkantete Zinken
- Haarbruch, der das Fell stumpf macht
- Reizungen der Haut, besonders bei dünner oder trockener Haut
- Angstverhalten, weil das Tier negative Erfahrungen verknüpft
Die Lösung: Werkzeug nach Felltyp wählen
Eine gute Auswahl ist kein Luxus, sondern die Basis jeder sinnvollen Fellpflege. Beispiel:
| Felltyp | Empfohlenes Werkzeug |
|---|---|
| Kurzhaar | Gummibürste, weiche Borstenbürste |
| Langhaar | Entwirrungsbürste, grobzinkiger Kamm |
| Unterwolle | Unterwollbürste oder Coat King (vorsichtig einsetzen!) |
| Lockenfell (z. B. Pudel) | Pin Brush, Kamm mit mittleren Zinken |
Wenn du unsicher bist, welches Werkzeug passt, lohnt sich eine kurze professionelle Einschätzung – viele Probleme lassen sich so von Anfang an vermeiden.
Fehler Nr. 3: Verfilzungen unterschätzen
Was zunächst wie ein harmloses Knötchen aussieht, wird oft innerhalb weniger Tage zu einer festen Filzplatte, die direkt auf der Haut sitzt. Besonders an Achseln, hinter den Ohren, am Bauch und an den Innenschenkeln kann Filz unbemerkt wachsen.
Was Filz im Körper anrichtet
- Schmerzen bei jeder Bewegung
- Hautentzündungen, weil die Haut nicht mehr atmen kann
- Feucht-warmes Milieu, ideal für Parasiten
- Eingeschränkte Durchblutung in stark betroffenen Bereichen
Filz ist also kein Schönheitsproblem – es ist ein gesundheitliches Risiko.
Die Lösung: Früh dranbleiben
- Klett und kleine Knoten sofort vorsichtig entwirren.
- Regelmäßig mit Fingern und Bürste „Fell-Checks“ durchführen.
- An schwer zugänglichen Stellen besonders aufmerksam sein.
- Zum Groomer, wenn Filzplatten bereits auf der Haut sitzen – denn Schneiden oder Scheren ist dann oft die einzige schmerzfreie Lösung.
Fehler Nr. 4: Falsches oder billiges Shampoo
Das falsche Shampoo kann mehr Schaden anrichten als jedes Schmutzbällchen. Menschen-Shampoo ist für Hunde und Katzen völlig ungeeignet: Der pH-Wert stimmt nicht, Duftstoffe sind oft zu intensiv und die Haut reagiert mit Trockenheit, Juckreiz oder Rötungen.
Auch extrem günstige Tier-Shampoos enthalten häufig starke Duftstoffe oder aggressive Tenside – gut für die Nase des Menschen, schlecht für die Haut des Tieres.
Die Lösung: Produkte, die wirklich passen
- Nur Tier-Shampoo verwenden – niemals menschliche Produkte.
- Auf Hautzustand achten: sensibel, trocken, fettig, schuppig.
- Produkte ohne künstliche Duftbomben bevorzugen.
- Bei Allergien oder Hauterkrankungen: tierärztlichen Rat einholen.
Ein hochwertiges Shampoo ist immer günstiger als später eine Hautbehandlung.
Fehler Nr. 5: Zu häufiges oder unsachgemäßes Baden
Viele Halter*innen glauben, häufiges Baden sei „sauberer“ – in Wahrheit zerstört exzessives Shampoonieren den natürlichen Schutzfilm des Fells. Das Ergebnis: trockenes Fell, mehr Schuppen, gereizte Haut und ein noch schneller wieder „müffelnder“ Hund.
Besonders Hunde mit Unterwolle reagieren empfindlich, da Shampoo tief in die Fellschichten eindringen und die Talgproduktion stören kann.
Wann Baden wirklich sinnvoll ist
- Wenn das Tier sichtbar schmutzig ist
- Bei Geruch, der auch nach Bürsten bleibt
- Bei medizinischer Notwendigkeit (z. B. Spezialshampoos)
- Nach Kontakt mit stark riechenden Stoffen (z. B. Aas, Kot)
Die Lösung: So wenig wie möglich, so viel wie nötig
- Baden nur bei Bedarf, nicht aus Routine.
- Felltyp beachten: Unterwolle = seltener baden, Locken = regelmäßige Pflege mit milder Reinigung.
- Shampoo stets gründlich ausspülen.
- Nach dem Baden sorgfältig trocknen – professionelles Baden & Föhnen kann hier Entlastung schaffen, wenn du dir unsicher bist.
Weniger Baden schützt Haut und Fell – und sorgt langfristig für ein gesünderes Tier.
Fehler Nr. 6: Ohren, Augen und Pfoten ignorieren
Viele konzentrieren sich beim Thema Fellpflege ausschließlich auf das sichtbare Fell – doch Ohren, Augen und Pfoten sind mindestens genauso wichtig. Genau hier entstehen oft Probleme, die man erst bemerkt, wenn das Tier bereits Beschwerden hat.
Warum diese Bereiche häufig vernachlässigt werden
- Sie wirken „unscheinbar“ oder werden im dichten Fell übersehen.
- Viele Tiere mögen es nicht, dort berührt zu werden – Halter*innen vermeiden es dann.
- Unsicherheit: „Wie reinige ich richtig, ohne etwas falsch zu machen?“
Typische Probleme
- Ohren: Entzündungen, Ohrenschmalz-Stau, Juckreiz
- Augen: Tränenstein, verklebte Lidbereiche, gereizte Haut
- Pfoten: Risse, eingewachsene Krallen, Fremdkörper zwischen den Zehen
Eine sanfte, regelmäßige Kontrolle verhindert, dass kleine Reizungen zu schmerzhaften Entzündungen werden. Bei Bedarf findest du professionelle Unterstützung z. B. in unserer Augenreinigung oder Ohrenreinigung.
Die Lösung: Regelmäßig und schonend pflegen
- Wöchentlich Ohren, Augenwinkel und Pfoten checken
- Schmutz nur oberflächlich entfernen, niemals tief im Ohr arbeiten
- Tränenstein frühzeitig lösen, bevor er verhärtet
- Pfotenballen auf Risse prüfen und Krallenlänge im Blick behalten
Diese Mini-Checks dauern nur wenige Minuten – können aber viele Probleme verhindern.
Fehler Nr. 7: Grob bürsten und Schmerzen verursachen
Viele Halter*innen meinen es gut, greifen aber zu kräftig durch – und genau das sorgt für Stress und Abwehr. Zerren, an Knoten reißen oder gegen die Wuchsrichtung bürsten führt zu Schmerzen, die Tiere sich gut merken.
Was dabei unbeabsichtigt passiert
- Haare werden herausgerissen statt entwirrt
- Die Haut wird überdehnt oder gekratzt
- Knoten werden schlimmer, weil sie „festgezogen“ werden
- Das Tier beginnt, Pflege mit Schmerz zu verbinden
Folgen
- Angst und Abwehrverhalten
- Zappeln, Knurren oder Weglaufen
- Dauerhafter Pflege-Stress für Tier und Mensch
Die Lösung: Sanft, systematisch & kurz
- Immer in Wuchsrichtung bürsten
- Erst grob entwirren, dann fein nacharbeiten
- Bürsteinheiten lieber kurz halten – 5 Minuten täglich sind wirksamer als 30 Minuten Kampf
- Bei starken Knoten: nicht reißen, sondern vorsichtig aufteilen oder professionell lösen lassen
Je angenehmer die Erfahrung, desto entspannter wird langfristig die gesamte Pflege.
Fehler Nr. 8: Felltyp nicht beachten
Nicht jedes Fell funktioniert gleich – und deshalb funktioniert auch nicht jede Pflege gleich. Ein Pudel braucht etwas völlig anderes als ein Husky, und eine Langhaarkatze hat andere Bedürfnisse als eine Britisch Kurzhaar.
Beispiele für sehr unterschiedliche Felltypen
- Unterwolle vs. kein Fellwechsel:
Hunde mit dichter Unterwolle (z. B. Schäferhund) müssen gründlich ausgebürstet werden – nicht geschoren.
Hunde wie Pudel oder Bichon hingegen haben kein klassisches Fellwechsel-Fell und müssen regelmäßig geschnitten werden. - Zupffell vs. Scherfelle:
Terrier mit Zupffell benötigen Trimmen, da abgestorbene Haare sonst in der Haut verbleiben.
Scherfelle werden regelmäßig gekürzt. - Kurzhaar-Katzen vs. Langhaar-Katzen:
Kurzhaar-Katzen brauchen selten, aber konsequent Bürsten; Langhaar-Katzen täglich, um Filz zu verhindern.
Die Lösung: Einen Pflegeplan nach Felltyp erstellen
- Felltyp bestimmen (Zuchtbeschreibung, Züchterinfo, Groomer-Einschätzung)
- Pflegehäufigkeit anpassen
- Werkzeug passend wählen
- Saisonale Unterschiede berücksichtigen (Fellwechsel!)
Ein individuell abgestimmter Pflegeplan spart Zeit, schützt die Haut – und verhindert die meisten klassischen Fehler.
Fehler Nr. 9: Pflege nur im Fellwechsel oder „wenn es schlimm ist“
Viele beginnen erst dann mit der Pflege, wenn das Fell bereits fliegt, knötet oder verfilzt ist. Doch was dann kommt, ist oft ein Kampf – für Tier und Mensch.
Warum „nur bei Bedarf“ zu spät ist
- Filz entwickelt sich schleichend
- Tiere sind nicht an die Routine gewöhnt → Stress
- Kleine Probleme werden erst erkannt, wenn sie groß sind
- Der Pflegeaufwand steigt enorm, je länger man wartet
Die Lösung: Wöchentliche Mini-Checks & kurze Pflegeroutinen
- 3–5 Minuten pro Woche reichen oft aus
- Bürsten, Pfoten kontrollieren, Augenwinkel prüfen
- Fellwechsel entspannt überstehen, statt „explodierende Haarwolken“ zu bekämpfen
- Tiere gewöhnen sich besser an kurze, regelmäßige Sessions
Mit ruhiger Routine wird Fellpflege zu einem entspannten, festen Bestandteil des Alltags – statt einer Notfallmaßnahme.
Fehler Nr. 10: Warnsignale im Fell übersehen
Fell erzählt Geschichten – und zwar ehrliche. Doch viele Anzeichen werden übersehen, weil sie schleichend auftreten oder „normal“ wirken. Dabei sind Veränderungen im Fell oft die ersten Hinweise auf gesundheitliche Probleme.
Auffälligkeiten, die du ernst nehmen solltest
- Mattes, stumpfes Fell
- Übermäßiger Haarverlust, der nicht zum Fellwechsel passt
- Übermäßiges Putzen oder Knabbern (vor allem bei Katzen)
- Plötzlich auftretender Geruch
- Schuppen, kahle Stellen oder Rötungen
Was dahinterstecken kann
- Parasiten wie Flöhe oder Milben
- Allergien gegen Futter, Umwelt oder Pflegeprodukte
- Stress oder Unterforderung (besonders bei Katzen erkennbar)
- Hormonelle Störungen oder Mangelerscheinungen
- Hauterkrankungen, die tierärztlich behandelt werden müssen
Fellveränderungen sind selten zufällig – sie sind ein Frühwarnsystem des Körpers.
Die Lösung: Beobachten, abklären – und rechtzeitig handeln
- Erst die Basics prüfen: Pflegeintervalle, Futter, Stresslevel, Parasitenprävention.
- Bei anhaltenden Veränderungen: Tierärztliche Abklärung ist Pflicht.
- Nicht selber „herumdoktern“, wenn Fell oder Haut sich sichtbar verschlechtern.
Regelmäßige Grooming-Termine helfen außerdem, Auffälligkeiten früh zu erkennen – Profis sehen Dinge, die im Alltag leicht untergehen.
Fazit
Fellpflege ist weit mehr als eine Schönheitsroutine – sie ist Gesundheitsvorsorge, Bindungszeit und ein wichtiger Bestandteil des Wohlbefindens deines Tieres. Kleine, regelmäßige Routinen verhindern Schmerzen, reduzieren Stress und helfen dir, Veränderungen früh zu bemerken.
Mit ein paar Minuten pro Woche, dem richtigen Werkzeug und einem guten Blick für die kleinen Signale bleibt das Fell gesund – und dein Tier fühlt sich sichtbar wohler.
Wenn du dir bei bestimmten Bereichen unsicher bist oder professionelle Unterstützung möchtest, kann ein Besuch im Grooming-Salon eine echte Entlastung sein und deinem Tier die bestmögliche Pflege ermöglichen.